Effektivität, Effizienz und agiles Arbeiten

In Zeiten von demographischem Wandel und sich zuspitzendem Fachkräftemangel gewinnen Effektivität und Effizienz zunehmend an Bedeutung.

Von Peter Stahl, dem Vorstandsvorsitzenden des Käseherstellers Hochland habe ich mitgenommen, wie elementar die Unterscheidung zwischen Effektivität und Effizienz für alles Tun und Handeln ist. Sei es innerhalb eines Unternehmens oder im eigenen Privatleben. 19 Jahre lang war ich Teil des Unternehmens, das den Spagat zwischen Tradition und Innovation hervorragend meistert. Für mich damit ein ur-deutsches Unternehmen, denn auch mein Blick auf Deutschland gibt mir das Gefühl, dass wir bei aller Beständigkeit und damit einhergehender Langsamkeit – in Sachen Digitalisierung beispielsweise – es doch immer wieder schaffen, die Nase im Weltgeschehen und Wirtschaftsleben vorne zu haben. Mit modernen Technologien und innovativen Ansätzen. Ähnlich bei Hochland, die mit Sitz im traditionell und ländlich geprägten Allgäu und einer überwiegend alteingesessenen, demographisch alternden Mannschaft hoch innovative Produkte auf den Markt bringen und neue Märkte erschließen.

Während meiner achtjährigen Tätigkeit als Ausbildungsleiterin bei Hochland konnte ich Herrn Stahl immer wieder dafür gewinnen, sich Zeit für die Auszubildenden zu nehmen. Einmal begleitete er ein Arbeitsorganisationsseminar für die Azubis und Studierenden als Impulsgeber. Hier kam ich zum ersten Mal näher mit seiner Haltung zu Effektivität und Effizienz in Kontakt. Nach seiner Auffassung ist es entscheidend, sich zuallererst die Frage zu stellen: „Tue ich die richtigen Dinge?“. Denn erst wenn dies geklärt ist, lohnt es sich weiter zu gehen und nach der Effizienz zu fragen: „Tue ich die Dinge richtig?“. Nicht nur für die Azubis, auch für mich waren seine Impulse erhellend und hilfreich. Er sagt, er habe sich dabei von Managementberatern wie Fredmund Malik und Peter Drucker inspirieren lassen. Ich finde es vorbildlich, wie er diese Haltung im Unternehmen vorlebt und als Mentor und Impulsgeber weiter trägt.

Von meiner eigenen Persönlichkeitsstruktur bin ich eher „chaotisch“ gestrickt. Pünktlich zu sein fällt mir schwer, Ordnung zu halten fand ich stets unsexy. Schwierig, wenn man einen Bürojob hat und permanent mit einer großen Aufgabenfülle konfrontiert ist. Daher war ich sehr bestrebt dazuzulernen, wie ich meine Arbeit besser „in den Griff“ bekomme. Inzwischen liebe ich meine Ordnungssysteme und habe es gelernt, die Dinge im Großen und Ganzen richtig zu tun. „Wie ich die Dinge geregelt kriege“ von David Allen ist eines der vielen Bücher, aus denen ich wertvolle Anregungen mitgenommen habe.

Doch allem voran stelle ich mir immer wieder die Fragen: „Was sind meine Ziele?“, „Bringt mich diese Sache meinen Zielen näher?“, „Was passiert, wenn ich dieses oder jenes in Zukunft weg lasse?“. Zugegeben, nicht immer gelingt mir das. Doch es macht für mich einen großen Unterschied, ob ich alles im Trott nur laufen lasse, oder immer wieder mal Inne halte und die Dinge auf ihre Sinnhaftigkeit hinterfrage. Ich würde es nicht schaffen, als Selbstständige auf meinen eigenen Füßen zu stehen, wenn ich diese entscheidenden Grundlagen für mich nicht gelernt hätte. Inzwischen sogar so gut, dass es gut ankommt, wenn ich sie als Trainerin weiter vermittle.

Besonders viel Freude macht es mir dabei, wenn sich junge Menschen, die ich einst als Ausbilderin betreut habe, heute als versierte Mitarbeiter/Innen unter meinen Seminarteilnehmern befinden.

 

Carina Visser, Personalerin beim agil aufgestellten Telekommunikationsunternehmen sipgate geht es mit der Effektivität ähnlich. Im Sommer durfte ich sie für mein Buchprojekt interviewen. Nun habe ich mich daran gemacht, unser Gespräch in meinem Buch zu verarbeiten. Agiles Arbeiten bedeutet bei sipgate unter anderem, frei von Hierarchien zu sein. Im kollegialen Austausch wird entschieden, was getan wird und wie die Dinge angegangen werden. Als Praktikantin in anderen Unternehmen hat es sie ganz fuchsig gemacht zu erleben, dass Dinge nur deshalb getan wurden, weil der Chef es so wollte, auch wenn diese wenig sinnvoll waren. Die Frage nach der Effektivität hat für sie einen immens hohen Stellenwert. „Was wollen wir eigentlich?“, „Bringt uns diese oder jene Aufgabe wirklich weiter?“. Zentrale Fragen, die sie mit ihrer Kollegin im zwei-Frau Personal Team regelmäßig diskutiert und dann gemeinsam mit ihrer Kollegin entscheidet, oder bei Bedarf weitere Kollegen zur Entscheidungsfindung einbezieht.

Auch Peter Stahl stand mir für mein Buch Rede und Antwort und ich freue mich schon darauf, das Gespräch mit ihm zu gegebener Zeit tiefer zu analysieren und aufzuarbeiten. Wenn es gelingt, dass die Impulse von visionären Unternehmenslenkern wie ihm, die freien Entscheidungsprozesse der Mitarbeiter beflügeln und bereichern, ist viel gewonnen. Wenn Menschen agil und frei in einem vertrauensvollen Umfeld entscheiden können, kommt man zielgerichtet voran – effektiv und effizient.

rk

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