Sachbuch schreiben auf der Insel – würde ich es wieder tun?

Seit dreieinhalb Wochen bin ich wieder zurück von Fuerteventura und habe die Zeit genutzt, um mit meinem Sachbuch zum Dialog der Generationen voran zu kommen. Was ist besser? Schreiben zu Hause oder auf der Insel? Zeit für ein Resümee:

Als Neuling im Buchschreiben hatte ich im Vorfeld viel Material über den demographischen Wandel gesammelt. Ich habe 19 Interviews mit Geschäftsführern, Personalentwicklern und anderen Menschen geführt, die etwas darüber sagen können, wie die Zusammenarbeit von Jung und Alt im Unternehmen gelingt. Auf der Insel habe ich dann mein Material gesichtet, Interviews transskripiert und mich ans Schreiben gemacht. Manches lief super, Manches weniger. Hier will ich mal meine Erfahrungen sortieren:

Die Vorteile:

  • Vier Wochen Zeit am Stück! Der begrenzte Zeitraum war ein guter Motor, um am Ball zu bleiben. Das Datum des Rückflugs stand fest und schließlich hatte ich den Ansporn, mit einem sehenswerten Ergebnis zurück zu fliegen.
  • Fern der Heimat und den Ablenkungen durch den normalen Arbeitsalltag. Auch wenn das Smartphone heute eine Europa-Flatrate bietet und man auf Fuerteventura telefonisch genauso gut zu erreichen ist, wie in Holzkirchen, war der mentale Abstand doch enorm.
  • Aufmerksamkeit durch mein Umfeld: „Wie kommst du voran mit deinem Buch?“ „Wie war es auf der Insel?“ „Erzähl mal, ich bin schon ganz gespannt!“. Hätte ich nur in Holzkirchen in die Tasten geklopft, würden das wohl die Wenigsten genauso aufregend finden.
  • Baden im Meer nach getaner Arbeit. Die kanarischen Inseln sind im Sommer ein verlässlicher Sonnen-Garant. Nach dem Schreiben und manchen Strapazen rund ums Buch ging das Abschalten tatsächlich sehr leicht.

 

Schwer vermisst auf der Insel: mein genialer Bürostuhl

Die Nachteile:

  • Auch beim Buch-Schreiben auf einer Insel ist man nicht vor EDV-Problemen gefeit. Los ging es gleich mit mehreren Stunden Problemen an meinem Laptop. Eigentlich eine ganz normale Sache – leider. Doch mental war das auf der Insel umso härter. Ich bin doch hier um zu schreiben und nicht, um mich als Systemadministrator zu versuchen!
  • Wie sehr ich meinen Bürostuhl vermissst habe! Rückenschmerzen waren immer wieder mein Begleiter. Es hat lang gedauert, bis ich gut sitzen und schreiben konnte. Das geplante, tägliche Pensum von vier bis fünf Stunden war kaum zu halten.
  • Und meine Bücher waren leider nicht dabei. Nur vier Stück waren im Gepäck. Für mich einfach zu wenig. Klar bietet das Internet haufenweise Material. Doch wenn man im Sachbuch über etwas schreibt, von dem man weiß, dass man es weiß, man bräuchte aber die Quelle um es genau wiedergeben zu können, könnte man schon mal die Krise kriegen. Jedenfalls habe ich mich ein paar mal ausgenockt gefühlt, weil ich erst zu Hause die Lücken schließen konnte.
  • Und sonst: Schreiben ist halt doch ganz schön anspruchsvoll. Mit romantischen Vorstellungen vom Schreiben mit Meerblick ist es schnell vorbei, wenn man sich bei den ersten Gehversuchen quält, Transskripte von Interviews anzufertigen. Zum Glück habe ich dann bei Interview Nummer vier die Kurve gekriegt.

Würde ich mich wieder zum Sachbuch schreiben auf eine Insel zurück ziehen? Meine Antwort lautet: Nein! Vielleicht für einen Roman, aber nicht mehr für Business-Lektüre. Die Strände von Fuerteventura sind für mich der Inbegriff von Entspannung und Erholung. Mit dem Schreiben über den demographischen Wandel, Digitalisierung, lebenslanges Lernen und New Work habe ich mir permanent meine Arbeit an den Ort geholt, an dem ich bisher nur Freude und Erholung getankt habe. Ein permanenter, mentaler Spagat, den ich mir nicht noch einmal zumuten würde.

Dennoch war es die richtige Entscheidung, meinen Auftakt dort zu machen. Die konzentrierte Auszeit und reservierte Zeit zum Schreiben hätte ich zu Hause viel härter gegen den Kleinkram des Alltags verteidigen müssen. Zu Hause fällt mir das Schreiben dennoch insgesamt leichter. In der Arbeitsatmosphäre meines Büros lockt kein Strand, an dem ich gerade lieber wäre, als vor dem Laptop. Die Lebenserfahrung gemacht zu haben, an einem Wunschort zu arbeiten war jedenfalls Gold wert. Die Zeit war genial und erlebnisreich. Ich weiß jetzt, dass ich doch nie auf Fuerteventura leben und arbeiten möchte, wovon ich zuweilen geträumt habe. Die Sonneneinstrahlung ist für meine empfindliche Haut auf Dauer zu heftig, und lieber bewahre ich mir mein persönliches Paradies als reinen Erholungsort.

Der Anfang ist gemacht. Mit meinem Buch geht es weiter voran. Mit vielen kleinen Schritten.

Im Gespräch mit Jugendlichen: Junge Deutsche 2017

Generation Z 2017

Wie ticken die jungen Deutschen im Jahr 2017? Dieser Frage ist Simon Schnetzer mit seiner Studie nachgegangen. Der Visionär aus dem Allgäu hat sich im Jahr 2010 aufs Fahrrad geschwungen, Deutschland bereist und dabei den Grundstein für seine Demographie-Studie gelegt, die er kontinuierlich weiter ausgebaut hat. Er ist immer im Gespräch mit Jugendlichen.

Für mein Sachbuch „Dialog der Generationen“ durfte ich ihn in der Gründervilla in Kempten besuchen, die er gemeinsam mit Thomas Herzhoff ins Leben gerufen hat. Wir sprachen über Vorlieben und Bedürfnisse der Jugendlichen und wie sich Unternehmen darauf einstellen sollten. Ich freue mich schon darauf, die Highlights des interessanten Interviews für die künftigen Leser meines Buches niederzuschreiben.

rk

Kapitel „Lebenslanges Lernen“ nimmt Gestalt an

Wieder zu Hause. Der Blick vom Balkon ist zwar nicht so spektakulär, wie der Blick aufs Meer vor Fuerteventura. Aber bei schönem Wetter lasse ich es mir nicht nehmen, im Freien zu arbeiten. Was bin ich froh, dass ich hier den Fundus meiner Bücher um mich habe. Beim Schreiben auf der Insel konnte ich nur auf vier Bücher zurückgreifen, die im Gepäck Platz gefunden hatten. Ich bin halt noch ein analoger Leser und liebe es zu blättern und meine Textmarker zu zücken um spannende Passagen in meinen Recherchequellen hervorzuheben. Schritt für Schritt nimmt mein Probekapitel „Lebenslanges Lernen“ Gestalt an, das ich bei Verlagen einreichen möchte. Darin berichte ich von meinen eigenen Erfahrungen als Trainerin von Lerntechniktrainings und Train the Trainer Fortbildungen, und es gibt zwei Interviews mit Personalentwicklerinnen, die mir für mein Buch Rede und Antwort gestanden haben.

Ein großes Industrieunternehmen berichtete mir, wie sie gezielt die Weiterentwicklung für Mitarbeiter 45+ angehen. Und eine mittelständisches Versicherungsunternehmen hat mir Einblicke in seine Design Thinking Räume gegeben und welche Erfahrungen sie damit sammeln. All dies verarbeite ich in diesem Kapitel und schreibe darüber, wie pubertierende Azubis mit dem Lernen umgehen und welche Erkenntnisse es aus der Gehirnforschung über die Lernfähigkeit von jungen und älteren Gehirnen gibt.

Lernfähigkeit zählt für mich zu den Metaskills schlechthin. Zugegeben, etwas neudeutsch… früher sagte man dazu noch Schlüsselkompetenzen. Aber egal, wie man es nennt. Die Fähigkeit Neues zu Lernen ist in einer Welt des Wandels und der demographischen Veränderungen immens wichtig. Diese kann man gezielt ausbauen, wenn man mehr darüber weiß, wie unser Gehirn funktioniert. Ich selbst liebe das Thema sehr, und obwohl es wahrscheinlich nicht an erster Stelle in meinem Buch stehen wird, ist es das erste Kapitel, das ich fertig stellen werde, da ich hier auf einen langen, eigenen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann.

rk

Sortieren für das Sachbuch

Zum ersten Mal im Leben ein Sachbuch zu schreiben ist eine ganz schön große Hausnummer. Die ersten Tage hatte ich damit zu kämpfen, wie es mir gelingt, die wertvollen Interviews die ich mit Geschäftsführern, Personalentwicklern, Social Media Experten und Anderen geführt habe, in Text zu verwandeln. So eine Transkription ist wahrlich nicht einfach, wenn man das noch nie gemacht hat. Inzwischen habe ich einen Modus gefunden, der mich nicht mehr an den Rand der Verzweiflung bringt, sondern richtig Freude macht. Nicht am Rechner sondern mit handschriftlichen Notizen.

Und dann ist da die unglaubliche Fülle an Informationen für dieses Sachbuch, die ich verarbeiten und in einer flüssigen Form präsentieren möchte. Neben den Interviews möchte ich die Quintessenz aus spannender Fachliteratur verarbeiten, die einen Mehrwert zu meinem Thema liefern.  Und nicht zuletzt meine eigenen Erfahrungen, die ich als Trainerin und Projektleiterin sammeln konnte.

Herrjeh! Fühlt sich an, als stünde ich in einem riesigen, unüberschaubaren Wald und finde den Weg nicht mehr. Zum Glück kam mir die Erinnerung, wie ich mich als Projektleiterin zu Beginn eines Demographieprojektes gefühlt habe. Wir haben das Projekt nach dem Six Sigma Zyklus DMAIC durchgeführt.

D = Define
M = Measure
A = Analyze
I = Improve
C = Control

Nachdem die Definitionsphase abgeschlossen war, kam die Messphase an die Reihe. In einem Demographieprojekt bedeutet das, Personaldaten in großem Stil zu erheben und nach allen möglichen Kriterien auszuwerten. Kreuz und quer, rauf und runter, Excel-Tabellen über Excel-Tabellen, Datenreihen über Datenreihen. Wie sollten wir in dieser Fülle nur jemals einen roten Faden finden? Und siehe da, wir haben ihn gefunden. Unsere Projektergebnisse waren letztlich so interessant, dass eine Delegation des Bayerischen Arbeitsministeriums in den Betrieb gekommen ist, um sich von den Maßnahmen, die wir aus unseren Ergebnissen abgeleitet haben, einen persönlichen Eindruck zu machen.

Heute beruhigt mich diese Erfahrung für das Projekt „Sachbuch“. Denn die Phase, in der ich mich mit meinem Buchprojekt befinde, ähnelt sehr dieser Messphase. Ich jongliere interessante Informationen hin und her, werte aus, begutachte, selektiere, verwerfe und entwickle, was relevant sein könnte und was nicht. Dass sich das noch nicht nach einem durchgängigen, roten Faden anfühlen kann, akzeptiere ich jetzt und nehme ein wenig gelassener hin, dass ich langsamer vorankomme, als ich gedacht hätte. Ich vertraue darauf, dass es mir gelingt, in diesem Wald Trampelpfade anzulegen, die gut begehbar sind, und das kostet halt seine Zeit.

rk

Ergonomisch arbeiten mit Meerblick

Zu Hause habe ich einen ergonomisch eingerichteten Schreibtisch und einen hervorragenden Bürostuhl. Und meinen Kunden lege ich nahe, wie wichtig ergonomische Arbeitsplätze für alternsgerechtes Arbeiten sind. Als Buchautorin auf Fuerteventura zu arbeiten, bedeutet zu improvisieren. Zum Glück gab’s im überraschend gut sortierten Baumarkt  einen kleinen Computertisch zu kaufen. Und im Ferienhäuschen gibt es ausreichend Schmöker von vorherigen Gästen, die eine perfekte Bildschirmerhöhung abgeben.

Der Name Fuerteventura bedeutet „starke Winde“. Und gerade im Juli/August macht die Insel ihrem Namen alle Ehre. Wenn es nicht zu windig ist, kann ich tatsächlich auf der Dachterrasse schreiben. Ansonsten bleibt ein Wintergarten, der ebenfalls einen kleinen Blick aufs Meer bietet. Trotz Sonnenschirm ist die Sonneneinstrahlung auf der Terrasse heftig und die oberste Priorität heißt: gut eincremen.

Die ersten Tage waren nicht so einfach. Jetzt bin ich auf dieser Insel, deren unendliche Sandstrände ich so liebe und dann soll ich mich wirklich für mehrere Stunden am Tag hinsetzen und schreiben??? Inzwischen ist die erste von vier Wochen ins Land gegangen und ich habe einen funktionierenden Rhythmus zwischen Arbeiten und Insel genießen für mich gefunden. Mein anvisiertes Wochenpensum von mindestens 20 Seiten habe ich gerade so geschafft. Nun bin ich selbst gespannt, wie sich alles in den nächsten Tagen weiter einspielt.

rk

 

Logistische Herausforderung

 

Ein Buch auf einer Insel zu schreiben, bringt die eine oder andere Herausforderung mit sich.

Los ging’s gleich beim Packen. 20kg Gepäck ließ mein gebuchter Flug nach Fuerteventura zu und dazu 6kg Handgepäck. Hmmm…! Und das wenn man 4 Wochen unterwegs ist, einen Laptop dabei hat, außerdem eine zusätzliche Tastatur sowie Unterlagen und ein paar Bücher für Literatur-Recherche, damit der Dialog der Generationen ausreichend Tiefgang bekommt. Was für ein Glück, dass meine neue Reisetasche im leeren Zustand selbst nur 2kg auf die Waage bringt. Somit kam alles ohne Übergepäck-Zuschlag mit an Bord.

rk

Generationen und Politik – PowerPoint-Karaoke

Maximilian Stepfer und die Junge Union Altötting haben mich eingeladen zu ihrer Veranstaltung „Generationen und Politik“. MdB Stephan Mayer und ich durften uns vor der eigentlichen Diskussionsrunde einem PowerPoint-Karaoke stellen. Man weiß dabei nicht, welche Folien einen erwarten und steht vor der Herausforderung, spontan und dennoch clever zu präsentieren.

Wie sind die Unterschiede zwischen Jung und Alt? Wie steht jemand aus der Generation X oder der Babyboomer zu WhatsApp? Was hat ein Muffin mit den Generationen Y und Z zu tun? Da Stephan Mayer größer ist als ich, hat mein Kamerabild ihn nicht komplett eingefangen. Daher gibt es hier nur die Highlights aus meinem Beitrag.

Ich selbst bin parteilos, halte es aber für sehr wichtig, dass sich alle großen Parteien mit dem demographischen Wandel und einem gelingenden Dialog der Generationen auseinandersetzen.

rk