Ältere Mitarbeiter für Digitalisierung begeistern

Wie funktioniert es, ältere Mitarbeiter für Digitalisierung zu begeistern? Um Antworten auf diese brennende Frage zu finden, bot ich beim #digicamp19, dem Barcamp zur Digitalisierung in Augsburg eine entsprechende Session an. Mit rund 17 Teilnehmer fand sich eine bunt gemischte Gruppe ein. Software-Entwickler, Berater, Personalentwicklerinnen, Berufseinsteiger und alten Hasen diskutierten eifrig mit.

Zur Einstimmung bot ich zwei Geschichten an, die so, oder ähnlich in der Realität stattfinden könnten.

Die klassische Einführung eines neuen Software-Tools in einer Einkfaufsabteilung

Ich startete mit der Geschichte von Einkäufer Bernhard, der mit der Einführung eines neuen Softwaretools konfrontiert wird. Sein langjähriges Excel-Erfahrungswissen wird durch das neue Tool hinfällig. Der wesentlich jüngere Software-Entwickler Niklas bemüht sich zwar redlich darum, alle betroffenen Kollegen in einer kurzen Schulung einzuführen. Doch Personen wie Bernhard verliert er auf der Strecke. Bernhard und dessen Chefin sind gefrustet, da der alte Hase mit dem neuen Programm nicht klar kommt und viele Fehler macht. Und Niklas fliegen nach der Life-Schaltung des Tools ein paar gemeine Feinheiten um die Ohren, die in der Testversion unentdeckt geblieben sind.

Die begeisternde Einführung eines neuen Software-Tools in einer Einkaufsabteilung

In Geschichte Nummer zwei dreht sich alles um die gleichen Personen und die gleiche Ausgangssituation. Doch bevor diesmal das neue Tool eingeführt wird, spricht die Abteilungsleiterin mit Bernhard persönlich. Sie nimmt Anteil an seinen Ängsten und zeigt ihm deutlich ihre Wertschätzung für das bisher Geleistete. Bevor die Schulungen stattfinden, wird der Schulungsbedarf der Betroffenen ermittelt. Es zeigt sich, dass eine Einsteiger- und eine Fortgeschrittenen-Variante erforderlich sind. Die Schulungen werden außerdem nicht vom IT-Fachmann, sondern von einer eigens dafür qualifizierten Lern-Tutorin durchgeführt. So einbezogen in den Dialog äußert Einkäufer Bernhard, dass er einen Fehler entdeckt hat. Von dieser Erkenntnis profitiert Software-Entwickler Niklas. Er kann den Fehler ausmerzen, bevor es in der Praxis zu ernsthaften Störungen kommt.

Hitzige Diskussion

Was nach der Einführung mit diesen Geschichten beim Digicamp in Augsburg geschehen ist, fand ich hochgradig spannend. Wir hatten eine äußerst hitzige, emotionsgeladene Diskussion im Raum. So schnell signalisierten immer wieder fünf und mehr Leute gleichzeitig, dass Sie sich an der Diskussion beteiligen wollen. Für mich ein Jonglage-Akt, alle in einer fairen Reihenfolge zu Wort kommen zu lassen. Schnell füllte sich das Flipchart, auf dem ich die wesentlichen Erkenntnisse festhielt.

Ganz wichtig: Es fällt nicht nur älteren Menschen schwer, sich auf neue, digitalisierte Prozesse einzulassen. Auch Jüngere verlieren die Kenntnisse und Fähigkeiten, die sie sich zuvor mühsam angeeignet haben. So ziemlich alle Menschen tragen Ängste in sich, wenn es um Digitalisierung geht. Denn oft ist nicht klar, ob ihr eigener Arbeitsplatz vielleicht wegrationalisiert wird. Und ganz elementar arbeiteten wir heraus, dass es auf Managementebene eine klare Abstimmung und Verzahnung braucht. Nur wenn die Führungskräfte des Fachbereiches sowie der IT-Bereich und die Personalentwicklung Hand in Hand arbeiten, kann eine stimmige Einführung von digitalen Tools erfolgen, an der die Menschen – egal welchen Alters – wirklich andocken können.

Provokation erlaubt?

Ich fragte in die Runde, ob alle Anwesenden auch gekommen wären, wenn meine Session geheißen hätte: „wertschätzende Einführung von neuen Softwaretools“. Viele verneinten. Da alle trotzdem da geblieben sind und eifrig mit diskutiert haben, werde ich auch in Zukunft den – vielleicht etwas provozierenden – Titel „Ältere Mitarbeiter für Digitalisierung begeistern“ nutzen. Denn er macht es möglich, offen – vielleicht auch hitzig – aber klar und deutlich über das eine oder andere Tabu zu sprechen. Mir selbst hat die Session riesige Freude gemacht und die Rückmeldungen haben mir gezeigt, dass sich viele Teilnehmer wertvolle Anregungen daraus mitnehmen konnten.

rk

Älter werden erleben im Alterssimulationsanzug

Der demographische Wandel bringt es mit sich, dass unsere Bevölkerung zunehmend altert. Schlüpft man in einen Alterssimulationsanzug, kann man auch als jüngerer Mensch erleben, wie sich ältere Menschen fühlen. Ich habe beobachtet, dass es für jüngere Führungskräfte eine sehr wertvolle Erfahrung ist hineinzspüren, wie sich die Arbeit anfühlt, wenn die Zipperlein in den alternden Belegschaften immer mehr zunehmen. Auch für Teams und Mitarbeiter ist es eine spannende Erfahrung, ihre Tätigkeiten einmal eingeschränkt durch den Alterssimulatinsanzug auszuüben. Wenn in der Gastronomie dann Teller balanciert werden oder im Hotel Betten zu machen sind, spürt man schnell, dass dies in fortgeschrittenem Alter kein Zuckerschlecken ist.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen und Entscheider, die dieses Erlebnis am eigenen Leib erproben konnten, eine echte, intrinsische Motivation entwickelt haben, die Arbeit gesundheitsgerechter zu gestalten. Daraus entstanden beispielsweise neue Ideen für alternsgerechte Produktionsstraßen und rückengerechteres Verhalten beim Einzelnen. Auch für Produktentwicklerteams bietet die künstliche Alterung im Alterssimulationsanzug interessante Erkenntnisse. Damit wird erlebbar, ob auch ältere Kunden und Anwender mit Produkten und Dienstleistungen zurecht kommen.

Im Video sehen Sie, welche Komponenten der Alterssimulationsanzug enthält, wie man einen Erfahungsparcour damit gestalen kann und welchen Nutzen sein Einsatz bietet.

rk